Mit Sigfried Lehmann, Vorsitzender des Bildungsausschusses und MdL bei einer Informationsveranstaltung über Bildungspolitik in Wald

„Wie wollen wir lernen – Baden-Württemberg macht Schule“

05.12.2015: Vortrag von MdL Siegfried Lehmann am 2015-12-03 in Wald. „Wie wollen wir lernen?“ Dies war das Thema des bildungspolitischen Sprechers der Grünen im Landtag Siegfried Lehmann aus Konstanz, der auf Einladung des grünen Kreisverbandes am Donnerstagabend vor einer Gruppe interessierter Zuhörer in Wald in der Pizzeria Michelangelo referierte.
Begrüßt wurde der Abgeordnete des Landtages durch die Vorsitzende und Kandidatin des Kreisverbandes Andrea Bogner-Unden.

Die 60-Jährige aus Wald, die als Oberstudienrätin an der dortigen Klosterschule bestens mit dem Thema Bildung vertraut ist, nutzte die Gelegenheit noch einmal, die Gründe für Ihre Kandidatur darzulegen. Bogner-Unden möchte für eine erfolgreiche Frauenpolitik eintreten und empfindet einen Frauenanteil von 20% im Landtag als viel zu gering. Auch die Förderung des ländlichen Raumes mit all seinen Problemen und die Veränderungen des politischen Stils der Landesregierung sind für Sie wichtige Gründe. „Zustände wie unter Herrn Mappus, der beim ENBW Diel 4,8 Milliarden Euro am Parlament vorbei rechtswidrig ausgegeben hatte, wer wünscht sich das wieder her?“ fragte Bogner-Unden in die Runde und stellte klar „Grün tut dem Land gut!“. In der Überleitung zum Thema des Abends bemängelte sie, dass die CDU/FDP-Vorgängerregierung in der Bildungspolitik notwendige Veränderungen verschlafen habe, obwohl der Rückgang der Schülerzahlen, die schlechten Ergebnisse der PISA-Studie, die fehlende Bildungsgerechtigkeit und das veränderte Schulwahlverhalten beim Übergang in die weiterführenden Schulen schon lange bekannt waren.

Siegfried Lehmann nahm dieses Stichwort gerne an und zeigt anhand seiner Präsentation den Wandel des Schulsystems in Baden-Württemberg auf. Nach seiner Aussage wurden in den letzten 5 Jahren 15% mehr Geld in Bildung investiert, sieben mal mehr für die Kinderbetreuung ausgegeben und dadurch die Zahl der Kita-Plätze um 50% erhöht. Zusätzlich seien die Unterrichtsversorgung mit 400 VertretungslehrerInnen verbessert und die Schulsozialarbeit flächendeckend ausgebaut worden.
Um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erreichen, möchten die Grünen die Ganztagsschulen und die Gemeinschaftsschulen voranbringen, dies soll jedoch nicht von oben verordnet werden, sondern immer freiwillig, in enger Kooperation mit der Schule und dem Schulträger erfolgen. Durch den Ganztagsbetrieb soll ein besseres Lernen des einzelnen Schülers und dadurch mehr Bildungsgerechtigkeit erreicht werden.

Die bisherige Schulstruktur des dreigliedrigen Schulsystems ist Aufgrund des demografischen Wandels und des geänderten Übergangsverhaltens nicht mehr aufrechtzuerhalten. Ein Zwei-Säulen-Modell aus Gymnasium auf der einen Seite und Gemeinschaftsschule oder Hauptschule/Werkrealschule und Realschule auf der anderen Seite, ermöglicht ein wohnortnahes, leistungsstarkes Bildungssystem und trägt diesem Wandel Rechnung. Hierbei soll die Realschule weiterentwickelt werden und zukünftig auch einen Hauptschulabschluss nach der Klasse 9 anbieten. Durch zusätzliche Poolstunden und eine umfassende Fortbildung der Lehrkräfte soll dieser Wandel unterstützt werden.

Lehmann sieht als weiteres tragendes Element der zweiten Säule, die Gemeinschaftsschule, die von Grün-Rot eingeführt worden ist. Inzwischen gibt es in Baden-Württemberg 271 Gemeinschaftsschulen mit einem Schüleranteil von 10,3%. Als Ganztagsschule bietet die Gemeinschaftsschule eine moderne Pädagogik, mit individueller Förderung und dem Erreichen aller Abschlüsse. „Wer die Gemeinschaftsschule einmal kennengelernt hat, möchte diese nicht mehr missen“ so die Aussage von Lehmann. Gerade bei rückläufigen Schülerzahlen im ländlichen Raum bietet dieser Schultyp die Möglichkeit, eine Schule am Ort zu halten. Dies könne man auch im Kreis Sigmaringen mit seinen Gemeinschaftsschulen in Stetten a. k. M., in Herbertingen und zukünftig auch in Mengen ablesen, so Lehmann.

Bei der anschließenden Diskussionsrunde wurden nach vielen Fragen zur Bildungspolitik auch weitere Themen angeschnitten, so die aktuelle Flüchtlingsproblematik. So äußerte ein Zuhörer starke Bedenken, wie die große Zahl an Flüchtlingskindern in dieses Bildungssystem integriert werden kann, auch oder gerade wegen des Lehrermangels. Siegfried Lehmann verwies darauf, dass in Baden-Württemberg insgesamt 565 zusätzliche Lehrerstellen für Vorbereitungsklassen und Vorqualifizierungskurse ab dem Schuljahr 2015/2016 zur Verfügung stehen werden. Im Nachtragshaushalt wurden vom Landtag weitere 800.000 Euro für das Jahr 2015 und 1,6 Millionen Euro für das Jahr 2016 für die Bildungsangebote für Flüchtlinge bereitgestellt. „…damit ist Baden-Württemberg führend in Deutschland“, so Lehmann.

Landtagskandidatin Andrea Bogner-Unden bedankte sich bei Siegfried Lehmann für den fachkundigen Vortrag und beim Publikum für die engagierte Diskussion und überreiche Lehmann noch ein Geschenk des Grünen Kreisverbandes.

Verfasser: Wolfgang Ruff, Kreisschatzmeister, kv.sigmaringen@gruene.de

Verwandte Artikel

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld