Die Höfe, die wir im Landkreis Sigmaringen noch haben, gilt es zu erhalten und zu unterstützen, damit wir auch weiterhin regionale Produkte genießen können. Foto: Susanne Petermann-Mayer.

Regionale Vermarktung bleibt große Herausforderung

Die teilweise unterbrochenen Warenflüsse zu Beginn der Corona-Pandemie haben es uns verdeutlicht – wie froh waren wir zu wissen, dass der Landwirt aus der Region die Eier im Supermarkregal wieder auffüllt oder wir schnell und unkompliziert im Milchhäusle im Nachbarort, Milch, Kartoffeln und mehr direkt vom Hof kaufen können. Das ist mir während des Lockdowns im März so richtig bewusst geworden. Schon im Januar bei den Mahnfeuern von Landwirten in Herbertingen und Stetten habe ich insbesondere den jungen Landwirten sehr genau zugehört und ihre Sorgen und Bedenken aufgenommen. Und sie haben ja recht: die Gesellschaft kann nicht immer nur weiter strengere Auflagen fordern, sie muss auch bereit sein, einen entsprechend fairen Preis für die hochwertigen landwirtschaftlichen Produkte zu bezahlen! Ich möchte den Blick auf die regionalen Produkte lenken, suche deshalb nun verstärkt den Austausch mit den beteiligten Akteuren und Gerlinde Kretschmann unterstützt dieses Anliegen sehr gerne! (vgl. Bericht vom Besuch der Hofgemeinschaft Heggelbach)

Bilder vom Bäumle-Hof, Leibertingen

Ich lud deshalb unsere „First Lady“ Gerlinde Kretschmann zu einer kleinen Einkaufstour in die Region ein. Unsere erste Station war in Leibertingen der Bäumlehof und dort der Hofladen von Christine Keller. Vom dortigen Angebot waren wir überwältigt – neben dem Bio-Rindfleisch von eigenen Tieren, Schweinefleisch und Wurst von befreundeten Berufskollegen, gibt es Gemüse und Obst aus der Region sowie von Käse über Mehle bis hin zu regionalen Ölen alles, was man für ein gutes Essen braucht! Das Besondere: auf dem Bäumlehof wird noch selbst geschlachtet. Hier ist die Transparenz vom Tier bis zur Theke jederzeit gegeben! Die zweite Station führte uns nach Sigmaringen-Gutenstein zum Milchhäusle der Familie Strobel vom Strobelhof. Direkt am Donau-Radweg gelegen, kann man dort neben Milch und Wurstdosen vom Hof auch Kartoffeln eines Bauernkollegen sowie „Roddewig Bio-Eis“ aus Illmensee bekommen; seit neuestem gibt es auch einen Kaffeeautomaten.

Abschließend trafen wir uns im Winkel-Hof in Inzigkofen mit Vertreterinnen des Landfrauenverband Biberach-Sigmaringen sowie mit GRÜNEN Kommunalpolitikerinnen zum „Dennetle-Essen“. Aus Sigmaringen nahmen die grünen Gemeinderätinnen Jutta Wolf und Ursula Voelkel und aus Scheer Anna Pröbstle teil. Sie ist Gemeinderätin in Scheer, Rätin im Kreistag Sigmaringen und betreibt noch in Betriebsgemeinschaft mit Ihren Geschwistern und Eltern, die „Pröbstle Biohof GbR“. Im Gespräch mit den Landfrauen Doris Härle, Vorsitzende, und Ulrike Köberle-Stehle, wurde deutlich, dass eine Direktvermarktung für die landwirtschaftlichen Betriebe eine große Herausforderung bedeutet. Dieser separate Betriebszweig erfordert viel Wissen und Arbeitseinsatz und nicht jeder Betrieb kann dies neben dem eigentlichen Betriebszweig aufbringen. Ein kleinerer Betrieb hat auch nicht die Mengen oder das jeweilig gewünschte Angebot, um auch Caterer, Gastronomie oder andere Einrichtungen beliefern zu können. Eine bessere Abstimmung unter den Landwirten und Kooperationen würden hier vielleicht zu mehr Verwendung regionaler Produkte auch in der „Außer-Haus-Verpflegung“ führen. Weiter erinnerten die Landfrauen daran, wie wichtig die Hinführung schon ganz kleiner Kinder an das Thema Ernährung ist. Mit dem „Lernort Bauernhof“ und dem „Ernährungsführerschein“ stehen Kindergärten und Schulen zwei Programme zur Verfügung, für diese sich die Landfrauen schon lange einsetzen!

Bilder vom Strobel-Hof, Gutenstein

Die Kommunalpolitikerinnen gaben an, dass die Kommunalverwaltungen alle zwei oder drei Jahre die Verträge mit Caterern in ihren Einrichtungen neu ausschreiben und dass sie für künftige Vereinbarungen ein Auge auch auf die Verwendung regionaler Produkte haben werden.

Ich werde mich gerne an entsprechenden Stellen dafür einsetzen, dass die Rahmenbedingungen für eine einfachere Direktvermarktung (wieder) hergestellt werden. Wegen der vielen Auflagen auch für Starter, kommt so manches Projekt nicht in die Gänge. Es gilt, die Höfe, die wir noch haben, zu erhalten und zu unterstützen, damit wir auch weiterhin regionale Produkte genießen können. Sie sind in Zeiten der Klimakrise ein wichtiger Baustein für unsere ganze Gesellschaft! Ich hoffe auf einen weiterhin konstruktiven Dialog!

Andrea Bogner-Unden

Bilder vom Winkel-Hof, Inzigkofen

Link zu den Presseberichten:

https://www.schwaebische.de/landkreis/landkreis-sigmaringen/inzigkofen_artikel,-fuer-das-gewissen-und-die-umwelt-_arid,11269445.html

https://www.suedkurier.de/region/linzgau/leibertingen/regionale-und-direkte-vermarktung-koennen-einkommen-und-existenz-der-landwirte-sichern;art372564,10613233

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