Keltenblock 2.0: Aushebung eines frühkeltischen Prunkgrabes bei Herbertingen lässt auf spannende Erkenntnisse hoffen

Nachdem ich letzte Woche zusammen mit unserem Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann die Heuneburg bei Herbertingen besucht habe, durfte ich gestern bei der Bergung des sogenannten Keltenblocks 2.0 direkt unterhalb der Heuneburg dabei sein. Wie Sie den Fotos entnehmen können, war die Aushebung ein sehr beeindruckendes Ereignis!

Beim Keltenblock 2.0 handelt es sich um ein außergewöhnlich großes und aufwendig gestaltetes Holzkammergrab aus dem 6. Jahrhundert vor Christus. Erste Fundstücke der letzten Jahre legen nahe, dass es sich hierbei um ein frühkeltisches Prunkgrab einer bedeutenden Persönlichkeit handelt. Staatssekretärin Katrin Schütz aus dem Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg, welches als oberste Denkmalschutzbehörde die Schirmherrschaft über das Projekt innehat, betonte, dass der Fund spannende Erkenntnisse verspricht. Die gestrige Bergung sei ein großer Tag für die Landesdenkmalpflege und ein wahres Highlight, so die Staatssekretärin.

Ein Highlight war die Bergung allemal: Da eine fachgerechte Freilegung vor Ort nicht möglich ist, wurde die Grabkammer in einem Block ausgehoben. Bei einem Gewicht von 80 Tonnen und einer Fläche von ungefähr 8 x 6 Metern kann man sich leicht vorstellen, welche enormen Kräfte hier walten. Nur mit Hilfe von zwei Schwerlastkränen konnte der Block ausgehoben werden. Letzte Nacht wurde der Block dann zur weiteren Untersuchung in die Labore des Landesamts für Denkmalpflege (LAD) nach Ludwigsburg transportiert.

Prof. Dr. Dirk Krausse erläutert Staatssekretärin Katrin Schütz und mir das Vorgehen bei der anstehenden Aushebung.

Prof. Dr. Dirk Krausse, der für die Koordinierung der hiesigen Keltenfundstätte verantwortlich ist, erklärte, dass das Besondere an diesem Grab der enorm gute Erhaltungsgrad des Inhalts sei. Bisherige Grabungen haben ergeben, dass sich in der Grabkammer Holzteile und weitere Grabbeigaben aus organischen Materialien befinden, die zum Teil erhalten sind – eine wahre Seltenheit in der Archäologie.

Nicht weniger besonders, aber umso erschreckender war jedoch die Beobachtung des starken Zerfalls genau dieser Holzteile innerhalb der letzten zehn Jahre. Prof. Dr. Claus Wolf, Präsident des LAD im Regierungspräsidium Stuttgart, wies darauf hin, dass es höchste Zeit für die Bergung der Grabkammer war. Demnach hätten Untersuchungen gezeigt, dass die wertvollen Materialen durch die enorme Trockenheit der vergangenen Hitzesommer starken Schaden genommen haben. Der Erhalt unserer wertvollsten Denkmäler und Überbleibsel unserer Vergangenheit sind demnach angesichts fortschreitender klimatischer Veränderungen akut gefährdet. Für mich als Grüne zeigt dies einmal mal mehr, wie wichtig eine grüne und klimaschonende Zukunftspolitik ist.

Mehrere Spezialfirmen aus der Region und zwei Schwerlastkräne sind an der Aushebung beteiligt.

Umso erfreulicher ist es, dass das Grab nun sicher geborgen wurde. In den nächsten Jahren wird es von Archäologen, Restauratoren und Naturwissenschaftlern des LAD mit modernsten wissenschaftlichen Methoden untersucht. Von dieser Forschungsarbeit erhoffen sich die Verantwortlichen spannende Erkenntnisse und damit bisher fehlende Puzzlestücke in der Rekonstruktion der Geschichte und Kultur der frühen Kelten des 7. bis 5. Jahrhunderts vor Christus.

Nicole Ebinger-Rist, Leiterin der Archäologischen Restaurierung des Landesamtes für Denkmalpflege und neben Prof. Dr. Krausse zuständig für die Koordinierung der Bergung, sagte, dass sie und ihr Team mit der Aushebung zwar Oberschwaben um 80 Tonnen berauben würden, sie jedoch kein schlechtes Gewissen hätte aufgrund der wertvollen Erkenntnisse, auf die wir hoffen dürfen.

Liebe Leserinnen und Leser, wird dürfen also gespannt sein und uns freuen auf interessante Einsichten in das Leben der früheren Bewohner unserer Region!

Andrea Bogner-Unden

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