Die Tür für eine Reaktivierung der Ablachtalbahn unter öffentlicher Regie der Kommunen Meßkirch und Sauldorf ist mit dem Kauf der Bahn nun offen.

Infoveranstaltung zur Reaktivierung der Ablachtalbahn in Meßkirch und als Livestream in Internet

Die Reaktivierung der Ablachtalbahn für den Schienenpersonennahverkehr hat eine weitere Hürde überwunden. In der vergangenen Woche hat nun auch der Gemeinderat Sauldorf beschlossen, sich an der Reaktivierung der Ablachtalbahn zu beteiligen. Gestern Abend fand nun vom Förderverein der Ablachtalbahn eine Informationsveranstaltung für die interessierte Bürgerschaft statt. Knapp 80 interessierte Bürgerinnen und Bürger kamen dafür nach Meßkirch in die Stadthalle. Die Veranstaltung wurde auch live ins Internet übertragen, bei der zeitweilig mehr als 170 Personen dabei waren, als Prof. Dr. Uwe Lahl vom Verkehrsministerium Baden-Württemberg und Frank von Meißner, Eisenbahnbetriebsleiter, der Öffentlichkeit Daten, Fakten und Potenziale der Reaktivierung der Ablachtalbahn vorstellten.

Schon in der Begrüßung machte die Grüne Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden und Meßkirchs Bürgermeister Arne Zwick deutlich, dass sie sich sehr freuen, dass die beiden Kommunen Meßkirch und Sauldorf nach einem längeren Stück Arbeit die Ablachtalbahn erwerben können. „Der Zug rollt an, ist aber nicht abgefahren“, sagte Arne Zwick eingangs in Richtung der Anliegerkommunen, sich flankierend bei der Reaktivierung der Schienenstrecke mit zu engagieren. Das Land habe seine Verpflichtung erfüllt, so Zwick, es gebe Fördermittel und Unterstützung durch das Land, jedoch sei auch ein kommunales Engagement notwendig.

Das unterstrich auch Professor Dr. Uwe Lahl, Ministerialdirektor aus dem Verkehrsministerium Baden-Württemberg, der telefonisch zugeschaltet war. „Nun ist die Tür offen für die Reaktivierung der Schienenstrecke unter öffentlicher Regie“, resümierte er die vergangenen Verhandlungen, die er gemeinsam mit Bürgermeister Zwick mit der Firma Tegometall, den Eigentümern der Strecke, führte. Mit Blick auf die kommende Woche führte Uwe Lahl aus, dass die Untersuchung des Landes zur Reaktivierung der Schienenstrecke die Ablachtalbahn im Mittelfeld der potentiell zu reaktivierenden Schienenstrecken sieht. Herr Lahl ließ durchblicken, dass sich das Land mit der Unterstützung der kommunalen Ebene finanziell engagieren wird. Hier hofft Prof. Dr. Lahl, dass der Landkreis Sigmaringen sich ebenfalls noch an der Reaktivierung der Schienenstrecke beteiligt. „Hier gibt es bereits gute Signale“, so Lahl.

Zeitnah will sich das Verkehrsministerium gemeinsam mit den lokalen Akteuren und den Landräten aus Sigmaringen und Konstanz virtuell treffen, um die nächsten Schritte zu besprechen. Um das gemeinsame Engagement zu bündeln, schlug Herr Lahl ein Zweckverband vor. Detailfragen, wie konkret die Ablachtalbahn als öffentlich-rechtliche Infrastruktur aussehe und wie das konkrete Befahren der Strecke aussehen wird, gelte es noch zu manifestieren. Zu Beginn soll zunächst ein Ausflugsverkehr stattfinden. Dieser soll optimiert werden, anschließend Schülerverkehre fahren und einige Zeit später Regelverkehre möglich machen, führte Prof. Dr. Lahl aus.

Für das kommende Jahr 2021 wurde von Verkehrsministerium bereits Züge bei der Deutschen Bahn für Sonn- und Feiertage bestellt. Jetzt müssen zügig die Anträge für die Instandsetzungen eingereicht werden, so Prof. Dr. Lahl abschließend.

Im Vortrag des Eisenbahnbetriebsleiters Frank von Meißner machte dieser noch mal die betrieblichen und technischen Eckdaten der Strecke der Ablachtalbahn deutlich. Er skizzierte eine gute Grundsubstanz der Strecke zwischen Mengen und Stockach, die eine Wiederinbetriebnahme „Zug um Zug“ möglich mache. Mit Blick auf die Unterhaltslasten, Altlasten und Finanzierung zeigte der Eisenbahnbetriebsleiter die Organisations- und Finanzierungsmöglichkeiten auf. Diese können Sie in Kürze auch in der Präsentation von Herrn Meißner auf der Homepage des Fördervereins nachlesen, beziehungsweise im YouTube Kanal anschauen. Zunächst stehen Vegetationspflege, die Beseitigung von Biberschäden und die Inbetriebnahme von sieben Bahnübergängen, der laufende Unterhalt und die Administration im Vordergrund.

Perspektivisch bleibt der Güterverkehr zwischen Mengen nach Krauchenwies und Sauldorf erhalten, Chancen eröffnen mögliche Holztransporte ab dem Bahnhof Schwackenreute. Schon ab 2021 sieht Herr von Meißner die Chance von Ausflugsfahrten zur Landesgartenschau nach Überlingen. Mit Blick auf die bereits reaktivierte Räuberbahn von Pfullendorf, die in kommunaler Regie betrieben wird, warb und lobte Herr von Meißner die Reaktivierung von Schienenstrecken in kommunaler Eigenregie. Mit einem gutem Infrastruktur-/ Marketing-/ Verkehrskonzept und touristischem Begleitprogramm sei die Räuberbahn ein super Vorbild für die Ablachtalbahn und den Einstieg in die Reaktivierung dieser Schienenstrecke.

Im Anschluss der jeweiligen Fachvorträge nutzte die interessierte Bürgerschaft in der Stadthalle in Meßkirch, wie auch im YouTube Kanal rege die Möglichkeit Fragen zu stellen. Den kompletten Beitrag können Sie hier abrufen.

Andrea Bogner-Unden bedankte sich abschließend für das Interesse der Bürgerschaft an der Reaktivierung der Ablachtalbahn. Sie hoffe außerdem, dass die Veranstaltung dazu beigetragen habe, Licht ins Dunkel zu bringen und viele Fragen zu beantworten. Gespannt blickt die Abgeordnete nun auf die Veröffentlichung des Gutachtens des Landes zur Reaktivierung der Schienenstrecken am 3. November 2020.

Kommentar verfassen

Artikel kommentieren


* Pflichtfeld

Mit der Nutzung dieses Formulars erklären Sie sich mit der Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch diese Website einverstanden. Weiteres entnehmen Sie bitte der Datenschutzerklärung.

Verwandte Artikel