Kinderschutz geht uns alle an!

Seit Anfang November befinden wir uns in einem zweiten Lockdown. Das Ziel ist es, die in den letzten Wochen rasant angestiegenen Infektionszahlen in den Griff zu bekommen und eine nationale Gesundheitsnotlage zu verhindern. Während die komplette Gastronomie, Kinos, Museen und Fitnessstudios in dieser Zeit geschlossen bleiben müssen, Angehörige von Sportvereinen nicht mehr trainieren, Musikvereine nicht mehr proben dürfen, war es ein großes Anliegen der Politik und auch von uns Grünen, dass Schulen und Kitas geöffnet bleiben. Der erste Lockdown im Frühjahr hat uns gezeigt, dass viele Familien und besonders Kinder und Jugendliche mit der Situation überfordert waren, die digitale Ausstattung für den Fernunterricht mangelhaft war und auch Lehrkräfte sich mit der Situation unwohl fühlten. Innerhalb solcher Rahmenbedingungen konnten Bildungschancen und Bildungsgerechtigkeit unmöglich aufrechterhalten werden.

Doch das sind nicht die einzigen Argumente für das Offenhalten von Bildungs- und Kinderbetreuungseinrichtungen. Schulen und Kitas erfüllen darüber hinaus eine wichtige Funktion beim Thema Kinderschutz. Erzieher*innen, Schulsozialarbeiter*innen, Lehrkräfte – sie alle verbringen viel Zeit mit den Kindern und Jugendlichen in ihren Kitas, Kindergärten und Schulen. Wenn es einem Kind nicht gut geht oder Probleme zu Hause hat, können gerade diese Personengruppen als Erste erkennen, dass etwas nicht stimmt und gegebenenfalls Alarm schlagen.

Als während des ersten Lockdowns Kitas und Schulen geschlossen waren, fiel diese Früherkennungsinstanz weg. Und das in einer Zeit, in der Jugendämter und Jugendeinrichtungen ihre Arbeit ebenfalls zurückfahren mussten. Die Angst war und ist groß, dass in dieser Zeit die Fälle von häuslicher Gewalt bei Kindern zugenommen haben. Bisher gibt es noch keine Daten, jedoch muss man annehmen, dass das Dunkelfeld ebenfalls sehr groß ist.

Das Thema Kinderschutz gehört ganz oben auf unsere Agenda – das war schon vor Corona klar und wird uns durch Fälle wie Lüdge und Staufen schmerzlich vor Augen geführt.  

Am Europäischen Tag zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch am 18.11.2020 fand zu diesem Thema ein digitales Fachgespräch unter dem Titel „Kinderschutz nach Corona, Lüdge und Staufen“ statt. Meine Kollegen Thomas Poreski, Sprecher für Sozialpolitik, und Jürgen Filius, rechtspolitischer Sprecher, hatten zu diesem multiprofessionellen Fachgespräch eingeladen, bei welchem Vertreter*innen der öffentlichen und frei-gemeinnützigen Jugendhilfe und von Initiativen aus der Zivilgesellschaft, aber auch aus den Bereichen Medizin, Strafverfolgung, Rechtswissenschaften, Landesjugendamt, Fachberatungsstellen, Wissenschaft und Prävention mit dabei waren.

Unter anderem sprach Prof. Dr. Fegert von der Universität Ulm über die Empfehlungen der Kommission Kinderschutz BW, welche im Herbst 2018 anlässlich des Missbrauchsfalls in Staufen von der Landesregierung eingesetzt wurde. Dr. med. Astrid Helling-Bakki, Geschäftsführerin von World Childhood Foundation erläuterte das Modellprojekt der Childhood-Häuser und Josefine Barbaric, Vorstand von NEIN lass das! e.V., erklärte, inwiefern die fehlende Bereitschaft in der Gesellschaft für eine offene Kommunikation die Aufarbeitung ihrer Erfahrungen von Opfern sexueller Gewalt erschwere.

Ich bin meinen Kollegen Poreski und Filius sehr dankbar, dass sie diese Veranstaltung organisiert haben. Wir haben viel gelernt und wurden auf wichtige Dinge, auch defizitäre Zustände mit Nachholbedarf in Baden-Württemberg hingewiesen. Kinderschutz geht uns alle an! Es liegt in unserer Verantwortung, dass Kinder in unserem Land sicher und beschützt aufwachsen können.

Andrea Bogner-Unden

Auch Sozialminister Manne Lucha gab ein Statement zum Thema Kinderschutz in Baden-Württemberg ab.

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