„Und alles bleibt anders – Meine kleine Geschichte der Mobilität“

/ Dezember 2, 2020

An einem Buch über ihn sei der Grüne Verkehrsminister Winfried Hermann nicht interessiert gewesen, als sich ein Verlag mit diesem Anliegen an ihn wandte, allerdings an einem Buch über seine Leidenschaft, die Mobilität. Denn schon lange habe der Vollblutpolitiker den Wunsch gehabt, seine Erfahrungen darüber niederzuschreiben. Und so entstand das Buch „Und alles bleibt anders – Meine kleine Geschichte der Mobilität“.

Andrea Bogner-Unden, grüne Fraktionskollegin im Landtag von Baden-Württemberg, lud den Verkehrsminister daher in dieser Woche zu einer virtuellen Lesung ein. Zu Beginn erklärte Hermann, dass sein Buch sowohl biografische, als auch politische Aussagen enthalte. Er habe sich durch das Schreiben auch wieder an viele Erlebnisse erinnert und fügte hinzu: „Auch beim Schreiben lernt man was und gewinnt neue Erkenntnisse!“ Hermann las daraufhin drei Sequenzen aus seinem Buch vor und schlug dabei einen Bogen von seinen Kindheitserinnerungen über die Bedeutung des Autos für die Schwaben bis hin zum Radfahren. Viele Zuhörer fanden Parallelen zu eigenen Erinnerungen, wenn der derzeitige baden-württembergische Verkehrsminister zum Beispiel die Verkehrssituation in den 60er Jahren beschreibt. Oft waren die Straßen beliebte Spielplätze für die zahlreichen Kinder – aus heutiger Sicht undenkbar, dass sich, wie im Falle Hermann, das Spielen zwischen Schienen der „Eisenbahn“ abspielte. Immerhin waren damals noch 52% der Güter auf der Schiene transportiert worden – nachhaltige Mobilität pur.

In seinem Buch verbindet der Verkehrsminister seine eigene Biografie mit der Geschichte der Mobilität in Baden-Württemberg. Er thematisiert die Bedeutung der Automobilindustrie im Ländle, sowohl wirtschaftlich wie auch für den persönlichen Status. Aber auch das Radfahren spielt sowohl in Hermanns Leben wie auch in der Geschichte des Landes eine zentrale Rolle. In seiner Amtszeit hat der Verkehrsminister denn auch den Ausbau des Radwegenetzes stark vorangebracht sowie mit groß angelegten Imagekampagnen die Begeisterung fürs Radfahren bei der Bevölkerung wecken können. Dass der Kreis Sigmaringen die Planung von neuen Radwegen an die Gemeinden übertragen habe, sei einmalig im Land und vorgestrig, weil die Planungen damit sehr schwierig werden, sobald sich mehrere Gemeinden dafür abstimmen müssen.

In einer abschließenden Diskussionsrunde konnten die Teilnehmenden ergänzende Fragen an den Verkehrsminister stellen. Die Gastgeberin MdL Andrea Bogner-Unden brachte dann auch gleich das Thema Reaktivierung alter Gleise zur Sprache. Hier erläuterte der Verkehrsminister, dass zwar primär der Bund für das Schienennetz zuständig sei, das Land sich aber aufgrund der überschaubaren Bemühungen des Bundes in den vergangenen Jahren selbst aktiv geworden sei. Das Land hat hier nun auch großzügige Fördermöglichkeiten, die aber nur nach Initiative eines privaten oder kommunalen Antragsstellers beantragt werden können.

Auf die abschließende Frage des Sigmaringer Bundestagskandidaten Johannes Kretschmann nach den zentralen Pfeilern einer nachhaltigen Verkehrswende nannte der Verkehrsminister die notwendigen erneuerbaren Antriebsstoffe sowie die Mobilitätswende. „Für die Wende vom Pferd hin zum Auto war der Schritt größer, als nun vom Verbrenner hin zum E-Auto!“ betonte er. Es werde einen Mobilitätsmix geben müssen, der nachhaltig und klimaverträglich ist und bei dem das Auto nicht mehr die Dominanz vergangener Zeiten habe, so Hermann. Die Sicherstellung von fairen Arbeitsbedingungen sowie die Einhaltung zeitgemäßer Umweltstandards bei der Rohstoffgewinnung in anderen Ländern sei bei Herstellung von E-Autos unbedingt einzufordern, so der Verkehrsminister abschließend. Im gesamten Lebenszyklus habe das E-Auto gegenüber anderen Antriebsarten die bessere Öko-Bilanz und selbstverständlich solle dafür Strom aus erneuerbaren Energien genutzt werden.

Andrea Bogner-Unden

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