Plenarrede

/ Januar 8, 2021

Heute habe ich im Plenum zum Gesetzentwurf der AfD zur Durchführung von Hausunterricht mit Jahresabschlussprüfungen und Schulabschlussprüfungen gesprochen.

Die Plenarrede können Sie hier hier nachlesen oder das Video anschauen. Es gilt das gesprochene Wort.

“Sehr geehrte Frau Präsidentin,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

Corona hat nochmals deutlich gemacht, wie wichtig Schule für Kinder und Jugendliche ist. Nicht nur als Lernort, sondern auch als Sozialraum. Hier werden Freundschaften gepflegt, der Teamgeist gefördert und auch der Umgang miteinander in einer vielfältigen Gesellschaft erlernt.

Darüber hinaus erhalten Schüler:innen hier oftmals Zugang zu Angeboten im sportlichen, musischen, technischen und kulturellen Bereich, die von Zuhause aus nicht möglich sind.

Wir Grüne stehen für Bildungsgerechtigkeit, das bedeutet, dass alle Schülerinnen und Schüler die gleichen Chancen haben, unabhängig von den intellektuellen Fähigkeiten oder den finanziellen Möglichkeiten des Elternhauses.

Schule erfüllt mehr als nur den Bildungsauftrag. Sie unterstützt die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu resilienten und empathischen Persönlichkeiten sowie mündigen Bürger:innen in einer vielfältigen Gesellschaft.

Beim Hausunterricht werden die Kinder nur mit der Meinung und den Einstellungen der Eltern oder Hauslehrerinnen und -lehrer konfrontiert, sie müssen sich nicht in einem Klassenverband einfügen, lernen nicht Kompromisse einzugehen und Konflikte zu lösen. Eine solche Art der Erziehung nenne ich elitär und in manchen Fällen auch gefährlich.

Hoch engagierte Eltern können sich heute in Corona Zeiten gerne bei der Unterstützung ihrer Kinder zu Hause engagieren, und nach den pädagogischen Vorstellungen von uns Grünen könnten Sie sich auch in multiprofessionellen Teams einbringen, so dass diese pädagogischen Ressourcen genutzt werden könnten.

Hausunterricht kann immer nur eine Ausnahme oder Ergänzung sein und dies ist heute bereits möglich.

Der vorliegende Gesetzentwurf geht aber nicht nur am pädagogischen Ziel vorbei, sondern er ist auch rechtlich und fachlich bedenklich. Rechtlich bedenklich, weil sich die Frage stellt, wer die Aufsicht über den Hausunterricht übernimmt. Und fachlich, weil es nicht klar ist, ob die Eltern die notwendigen pädagogischen und fachlichen Fähigkeiten mitbringen – wer überprüft denn diese Fähigkeiten? Nicht umsonst studieren unsere Lehrkräfte, durchlaufen ein Referendariat und müssen sich in Prüfungen beweisen.

Hausunterricht spaltet die Gesellschaft schon im Kinder- und Jugendalter. Daher lehnen wir den Gesetzentwurf ab.”

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1 Kommentar

  1. Herzlichen Dank für diese klare Stellungnahme. Sie entspricht voll und ganz unserer Einstellung, die wir auch als Stellungnahme einbringen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Edgar Bohn, Grundschulverband Baden-Württemberg

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