Wir brauchen viel mehr regionale Verarbeiter wie Fairfleisch

/ September 10, 2021


In dieser Woche besuchte die grüne Bundestagskandidatin Maria Heubuch gemeinsam mit der Grünen Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden aus dem Nachbarwahlkreis Sigmaringen die Firma Fairfleisch und die Schlachthof-Initiative Überlingen. Bei der Betriebsbesichtigung haben beide intensive Einblicke in das Konzept von Fairfleisch erhalten. Matthias Minister, Geschäftsführer und Inhaber von Fairfleisch, gab den Grünen jedoch auch Hausaufgaben mit auf den Weg.


Sichtlich stolz zeigte sich Matthias Minister über seinen Vorzeigebetrieb für die tierschonende Schlachtung. Der Fairfleisch-Geschäftsführer freut sich über das steigende Interesse am Thema: „Immer mehr Menschen wollen mehr über unsere Anforderungen der artgerechten Tierhaltung, über das ethisch vertretbare Schlachten und Verarbeiten und die regionale Vermarktung wissen.“


Deutlich wurde: Die politischen Herausforderungen sind für kleine Schlachtbetriebe wie Fairfleisch und an alle Beteiligten von der Landwirtschaft bis zur regionalen Schlachtung und Vermarktung groß. Ein kleiner regionaler Schlachthof wie der in Überlingen bleibt das Nadelöhr dafür, dass die regionale Vermarktung überhaupt möglich ist.
„Die Fördermittel wurden in den vergangenen 50 Jahren fehlgeleitet“, macht Matthias Minister klar. „Die europäische Agrarpolitik hat den Höfen nur die Wahl gelassen zwischen wachsen oder weichen“, sagte Maria Heubuch, die selbst einen Milchviehbetrieb im Allgäu führt. Dies hat zur reinen Gewinnorientierung in der Landwirtschaft geführt, kritisiert Maria Heubuch. Tierwohl, Belange des Umwelt- und Klimaschutzes spielten hingegen keine Rolle. Maria Heubuch fordert, dass alle Beteiligten, also Landwirt*innen, Verbraucher*innen, Vermarkter*innen und Verarbeiter*innen einen neuen Gesellschaftsvertrags miteinander schließen und damit auch die Verarbeiter wie Fairfleisch Partner sind. Wir brauchen starke regionale Partner für funktionierende regionale Kreisläufe.


Indes gab es auch Lob von Matthias Minister für das aktuelle Landesförderprogramm zur tierschonenden Schlachtung. „Der bürokratische Aufwand für Beantragung ist allerdings sehr hoch,“ so Mathias Schultz, stellvertretender Geschäftsführer von Fairfleisch. „Egal wie klein oder groß unser Betrieb ist, wir müssen die gleichen Anforderungen wie ein Großbetrieb erfüllen. Das erdrückt die vielen oft kleineren Unternehmen und verhindert weitere Investitionen.“
Maria Heubuch machte deutlich, dass auch sie als Bäuerin unter Zugzwang steht. So ist sie verstärkt vom Handel abhängig, der großen Druck auf die Erzeugerinnen ausübt. Sie will politisch das System der regionalen Kreislaufwirtschaft – von der Landwirtschaft bis zur regionalen Vermarktung – unterstützen.


Einig waren sich die Politiker*innen mit Matthias Minister, dass die Verwaltungen hier kooperativ Hilfe zur Selbsthilfe geben sollten. „Eine kompetente Beratung ist eine echte Unterstützung, so Matthias Minister. So könnte das Regierungspräsidium Tübingen ein echter Dienstleister sein, der am Ende nicht nur die Kontrolle des Schlachthofes ausübt, sondern auch die Beratung leistet, damit sich Erzeugerinnen und Erzeuger weiter entwickeln können.
Maria Heubuch, Grüne Kandidatin für den Bundestag, und auch Andrea Bogner-Unden als Landtagsabgeordnete und Mitglied im Ausschuss für ländlichen Raum versprachen, die Eindrücke des Besuchs bei Fairfleisch in die Politik-Arena einzubringen.

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