Kundgebung für Menschenrechte, Demokratie und Europa in Sigmaringen

29.9.2018 (is) – Knapp 100 Bürgerinnen und Bürger folgten am Samstag dem Aufruf der grünen Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden zur Kundgebung auf den Marktplatz nach Sigmaringen. Flammende Reden von Andrea Bogner-Unden, Rudolf Christian, Jutta Wolf, Noori Mato und Klaus Harter für Menschenrechte, Demokratie und Europa bewegten die Menschen teils tief. Sie alle verbindet die Sorge um den Erhalt der Demokratie und um den Verlust der Wertigkeit der Menschenrechte und forderten die Bürgerinnen und Bürger auf, sich aktiv in die Demokratie einzubringen.

„Menschenrechte, Demokratie und Europa sind keine Selbstläufer, sondern sie erfordern aktive politische Gestaltung und damit die Hilfe und das Engagement von Ihnen allen“, mahnte eingangs die grüne Landtagsabgeordnete Andrea Bogner-Unden. Nach den Vorkommnissen in Chemnitz, nach dem Einzug der AfD in Landtage und Bundestag mithilfe menschenfeindlicher und europafeindlicher Parolen, zu einem Zeitpunkt von rechtsradikalen und antieuropäischen Regierungsbeteiligungen sei es aus ihrer Sicht dringend notwendig, die Menschenrechte und die Demokratie in Deutschland und Europa zu verteidigen. Dass Menschen beispielweise in Burladingen schon Angst vor Anfeindungen und Schmierereien haben, wenn sie Räume an Demokraten vermieten würden, macht der grünen Abgeordneten große Sorgen. Die Abgeordnete forderte die Menschen zum Dialog auf, der vor Ort am besten gelinge.

Ausdrücklich dankte der DGB-Kreisvorsitzende Rudolf Christian der Initiatorin Andrea Bogner-Unden. Es sei notwendig, gemeinsam und parteiübergreifend aufzustehen, um zu zeigen, dass es Menschen gibt, die für ein friedvolles, für ein vereintes Europa stehen. „Menschen jagt man nicht“, mahnte der Gewerkschaftler deutlich hinsichtlich der Wortwahl der AfD, man müsse im Bundestag „die Merkel jagen“. Er forderte eine „lebendige, uneingeschränkte Demokratie“ ein und zeigte auf Polen und Ungarn: „Da wird Demokratie nicht gelebt, sondern vorgeschrieben“, so Christian. Auch brauche man nicht so weit schauen. „Es steht zu viel auf dem Spiel – mit der Demokratie spiel man nicht“, erklärte der Gewerkschafter abschließend.

„Ich schätze es sehr, dass in Deutschland die Herkunft und die Religion keine Rolle spielen, sondern die Humanität im Vordergrund steht“, erklärte Noori Mato in seiner Rede am Samstag. Er sprach am Samstag für die Menschen in Sigmaringen, die nach Deutschland geflüchtet sind. Er dankte für die Unterstützung und das verbundene Mitgefühl, dass ihm und den anderen Geflüchteten entgegengebracht wurde. Und betonte, dass Mitgefühl Menschen miteinander verbindet, nicht auf herablassende und gönnerhafte Art und Weise, sondern weil sie Menschen sind, die gelernt haben, ihr gemeinsames Leid in Hoffnung für die Zukunft zu verwandeln. Für Noori Mato ist Sigmaringen bunt: „Ich wünsche mir, dass es bunt bleibt und jeder in Sigmaringen friedlich leben kann“.

Jutta Wolf vom Asylnetz Sigmaringen appellierte, besonders in diesen Tagen über die Bedeutung der Demokratie nachzudenken. Als Kind habe sie am 9. November 1989 noch nicht verstanden, dass mit dem Mauerfall etwas ganz Großes passiert war. Heute sorge sie sich jedoch darum, dass wieder etwas Großes passieren würde, was Geschichte schreibt und das Leben nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa verändern kann: „Durch Europa geht ein Rechtsruck und völkisch-nationales Denken ist wieder salonfähig“, sagte sie tief bewegt. „Es liegt an uns allen, wie das hier ausgehen wird“, sagte Jutta Wolf abschließend.

Klaus Harter, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen Kreisverband Sigmaringen zitierte den Altbundespräsidenten Joachim Gauck, der sagte, dass es Freiheit nur mit Verantwortung gibt. Das brauche einen ständigen Entwicklungsprozess, Kreativität und einen Einigungsprozess auf der Grundlage des Rechts. Auch er forderte die Menschen dazu auf, miteinander einzustehen, aufzustehen und hinzustehen, so wie die Menschen am Samstag in Sigmaringen standen.

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