Wie entsorgen wir unseren Bioabfall?

Wie entsorgen wir unseren Bioabfall?

Biomüllentsorgung – ist ein Hol- oder ein Bring-System für unseren Kreis am sinnvollsten?

15.10.2018 (abu/mb) – Meine Stellungnahme zur Sammlung von Biomüll im Landkreis Sigmaringen:

„Die Verpflichtung zur getrennten Sammlung des Biomülls beruht auf einem Bundesgesetz, dass von einer CDU-geführten Regierung erlassen wurde. Das Land Baden-Württemberg ist dazu verpflichtet, dieses Gesetz auf Landesebene umzusetzen. Der Umweltminister hat dem Landkreis Sigmaringen sehr lange Zeit gelassen, eine geeignete Regelung zu finden. Daher finde ich es schade, dass bei diesem Thema versucht wird den grünen Umweltminister zum Sündenbock zu machen. Das scheint bei der CDU aktuell leider Methode zu haben.

Wir sollten lieber gemeinsam überlegen, welche Form der Biomüllentsorgung – ein Hol- oder ein Bring-System – für unseren Kreis am sinnvollsten ist. Dabei lohnt sich auch ein Blick über den Tellerrand: Es gibt in Baden-Württemberg mehrere Landkreise, die eine ähnliche ländliche Struktur wie wir in Sigmaringen haben und die sich bereits für die Biotonne entschieden haben. Da ich es für unwahrscheinlich halte, dass alle anderen Kreistage Baden-Württembergs Fehlentscheidungen getroffen und nur Sigmaringen richtig liegt, möchte ich dafür werben, sich anderen Sichtweisen zu öffnen und diese zu berücksichtigen. Dazu gehören auch ausdrücklich alle fachlichen Aspekte, die das Umweltministerium anführt.

Des Weiteren habe ich bei meinen Gesprächen mit Bürger*innen viele Stimmen gehört, die sich explizit für eine Biotonne aussprechen. Nicht alle Bürger*innen des Landkreises haben ein Einfamilienhaus mit eigenem Garten und Kompost, um dort den anfallenden Biomüll zu verwerten. Sie müssen ihn bisher in der Restmülltonne entsorgen.Auch kann ich dem Argument, dass dadurch die Müllgebühren steigen, nicht folgen: Angesichts der Tatsache, dass der Landkreis Sigmaringen bisher die niedrigsten Müllgebühren landesweit hat, halte ich einen moderaten Anstieg für vertretbar, wenn dadurch alle Bürger*innen des Landkreises ihren Biomüll sach- und umweltgerecht entsorgen können.“

Hintergrundinformationen

Worum geht es?

Baden-Württemberg verfolgt engagiert und auf allen Ebenen seine Ziele für Energiewende und Klimaschutz. Dafür will das Land auch den Ausbau der Bioabfallvergärung voran bringen. Die Vergärung von Bioabfall und die anschließende Erzeugung von Strom und Wärme aus dem entstandenen Biogas leistet einen wesentlichen Beitrag zur Einsparung des klimaschädlichen Gases CO2. Die Bioabfallvergärung hat eine wesentlich bessere Klimabilanz als die reine Kompostierung. Vergärungsanlagen liefern zusätzlich erneuerbaren Strom und Wärme und ersetzen somit fossile Energiequellen. (Bei der Vergärung einer Tonne Bioabfall wird damit etwa so viel CO2 eingespart, wie bei der Autofahrt von Stuttgart nach Hamburg und zurück anfällt (CO2-Netto-Entlastung Bioabfallvergärung: 182 – 191 kg CO2-Äq/t Bioabfall)). Im Jahr 2016 wurde in den Abfallvergärungsanlagen im Land rund 71 Mio. m³ Biogas erzeugt, davon stammten etwa 53 Mio. m³ aus Anlagen für Siedlungsabfälle.

Wo liegt das Problem?

Bislang erfolgt die Gewinnung von Biogas sowie die Erzeugung von Wärme und Strom nur aus rund 39 Prozent der im Land getrennt gesammelten häuslichen Bioabfälle. Deshalb hat sich Baden-Württemberg das Ziel gesetzt, den Anteil des getrennt gesammelten Bioabfalls zu erhöhen – von durchschnittlich 49 kg soll dieser bis 2020 auf 60 kg pro EinwohnerIn und Jahr anwachsen. Von den derzeit gesammelten Bioabfällen wird bislang wiederum nur ein Teil der Vergärung zugeführt, weil es noch nicht genügend Anlagen in Baden-Württemberg gibt.

Was tut Baden-Württemberg?

Das grüne Umweltministerium hat als zentrales Ziel der baden-württembergischen Kreislaufwirtschaftspolitik definiert, den Anteil der Vergärung von Bioabfall deutlich zu steigern. Für die gesammelten Bioabfälle sollen flächendeckend Bioabfallvergärungsanlagen zur Biogaserzeugung errichtet und alle Bioabfälle optimal energetisch verwertet werden. Die  Ausbeute an Strom und Wärmeenergie aus Bioabfällen ließe sich dadurch nahezu verdreifachen. Hier spielen Kommunen und Landkreise eine maßgebliche Rolle. Mit der flächendeckenden getrennten Sammlung von Bioabfällen wird die Basis für eine energetische Nutzung gelegt. Das Land unterstützt die Landkreise und mögliche Kooperationen in diesem Bereich mit Beratungen durch das Kompetenzzentrum Bioabfall der LUBW.

Was fordern wir?

Die getrennte Sammlung von Biomüll ist in Baden-Württemberg seit 2015 Pflicht. Einzelne Landkreise haben diese getrennte Sammlung bislang allerdings noch nicht umgesetzt. Die Erfahrungen im Hohenlohekreis, der seit 2016 eine getrennte Bioabfallsammlung hat, und anderen Kreisen, die das schon lange durchführen, sind sehr positiv und zeigen, dass sich die getrennte Sammlung lohnt. Durch die optimale Nutzung von Bioabfällen (Vergärung) können die Kommunen einen sinnvollen und wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten. Baden – Württemberg ist nicht nur Windkraft- und Sonnenstromland – es soll auch das Land der Bioabfallvergärung sein.

Bioabfallvergärungsanlagen

Derzeit gibt es in Baden-Württemberg sieben reine Bioabfallvergärungsanlagen, 21 Vergärungsanlagen (ohne Regierungsbezirk Freiburg) mit einer Gesamtkapazität von 317.000 Jahrestonnen können häusliche Bioabfälle verwerten. Weitere Bioabfallvergärungsanlagen sind aktuell in Sinsheim, Singen, Neubulach und Stuttgart in Planung bzw. im Bau. Der Abfallwirtschaftsplan Baden-Württemberg, Teilplan Siedlungsabfälle sieht den Bau von etwa 12 bis 15 neuen Bioabfallanlagen mit einer Durchsatzkapazität von rund 35.000 Tonnen pro Anlage und Jahr vor.

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3 Kommentare

  1. Lohmiller

    Auch ich habe schon mehrere Gespräche geführt mit Leuten, die keinen Garten haben und sehnlichst auf die Biotonne warten. Nur getrauen sie sich nicht, entsprechende Leserbriefe zu schreiben, vielleicht weil sie den Unmut der Nachbarn fürchten. Gefühlsmäßig würde ich ehre für ein Bringsystem plädieren, damit man den Biomüll möglichst bald aus der Wohnung bekommt. Eine Gefahr ist, dass Leute möglicherweise Restmüll in die Biotonne werfen, wenn das nichts kostet. Kann man das nachher nochmals trennen? – Bei einem Eigenanteil müsste man wiederum eigene Tonnen / Tönnchen für jede/n machen.

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  2. Susanne Petermann-Mayer

    Überrascht hat mich, dass die Kompostierung hinterm Haus gar nicht die effektivste Methode ist, sondern die Vergärung, wobei auch noch Strom produziert wird. Das ist doch sinnvoll! Müsste der Kreis sich nicht überlegen, so eine Anlage zu bauen oder wenigstens mit zu nutzen? Höchste Zeit, dass wir uns überlegen, was denn mit unserem Müll denn so passiert . . .

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  3. Karl Boos

    MdL Burger und MdB Barreis stellen sich gegen eigenes CDU Gesetz,
    Bogner-Unden setzt sich auch für die Bürger unseres Kreises ein, die keinen eigenen Garten und keinen Kompost haben und bisher über die normale Tonne ihren Bio Müll kostenpflichtig entsorgen müssen. Auch das Problem mit der Rattenplage könnte man damit bestimmt bewältigen…

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