Stärkung der ärztlichen Versorgung im ländlichen Raum

Landkreis Sigmaringen

Gestern einigte sich das Kabinett zur Landarztquote. Wir Grüne setzen dabei auf eine systematische Stärkung der Allgemeinmedizin im Studium mit einem Landarztförderprogramm: Dazu gehört unter anderem ein neues Neigungsprofil „ländliche Hausarztmedizin“ und eine stärkere Vernetzung mit den akademischen Lehrkrankenhäusern und Lehrpraxen. Dieser Ausbildungsweg steht in Zukunft jedes Jahr allen 1650 Medizinstudienanfängern offen.

Für den Landkreis Sigmaringen bin ich sehr daran interessiert, dass wir genügend Hausärzte haben. Dafür bin ich in ständiger Verbindung mit der kassenärztlichen Vereinigung und Herrn Dr. Fechner in Stuttgart.

Bei den diskutierten Modellen erscheint es mir wichtig, dass man eine Lösung findet, die möglichst zeitnah, zuverlässig und an der Realität orientiert ist. Die Landarztquote, wie sie von der CDU priorisiert wurde, erscheint mir nicht effektiv genug,

– da sie erst in circa zwölf Jahren greift.

– da es für junge Menschen schwer ist, schon direkt nach dem Abitur entscheiden zu können, ob sie tatsächlich Landarzt beziehungsweise Landärztin werden möchten. Denn sie haben noch keinen Einblick in diesen Beruf, und die meisten haben sich noch nicht entschieden, wo und wie (Familie, Kinder) sie leben möchten.

– da heute circa 2/3 der Medizinstudenten weiblich sind, müssen wir auf die Bedürfnisse dieser angehenden Ärztinnen hinwirken (Teilzeitmöglichkeit, Verbindung mit Familie und Beruf, Gemeinschaftspraxen, Ärztehäuser).

Deshalb befürchte ich, dass das Modell der Landarztquote nicht effektiv sein wird und ins Leere läuft. Besser durchdacht erscheint mir das Modell von unserer Grünen Wissenschaftsministerin Theresa Bauer. Sie möchte im siebten Semester eine Studienrichtung Landarzt und Landärztin einrichten, und die Studentinnen und Studenten, die dieses Modell annehmen, finanziell unterstützen.

Für 75 der 150 Studienplätze sollen die Bewerberinnen und Bewerber mit einer Landarztquote ausgewählt und zugelassen werden. Die Medizinischen Fakultäten werden dafür ein modularisiertes Neigungsprofil „Ländliche Hausarztmedizin“ einführen. Es steht allen Studierenden offen und ermöglicht Zugänge zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Studium. Jeder, der im Verlauf des Studiums merkt, dass er Allgemeinmediziner werden will, sollte einfach und hürdenarm auf diesen Schwerpunkt wechseln können („Landarzt-Track“). Der Fokus auf die ländliche Hausarztmedizin soll dazu motivieren, sich nach dem Studium im ländlichen Raum niederzulassen.

Dieses Modell erscheint mir sinnvoller und effektiver, ist näher an der Realität, wirkt breiter und steht allen Medizinstudierenden offen – nicht nur den 75 neu geschaffenen Studienplätzen, die nicht nach dem CDU-Modell vergeben werden.

Außerdem bietet denjenigen Studentinnen und Studenten im siebten Semester schon einen Einblick in ihr Berufsbild, die eventuell auch schon wissen, wie sie ihre Zukunft familiär und auf den Ort bezogen organisieren möchten. Darüber hinaus greift dieses Modell schon 3-4 Jahre früher.

Andrea Bogner-Unden

Hintergrundinformationen Landarztförderprogramm

Das Landarztförderprogramm startet sofort und besteht aus folgenden zentralen Maßnahmen:

1.         Neigungsprofil Ländliche Hausarztmedizin

Die Medizinischen Fakultäten ein modularisiertes Neigungsprofil „Ländliche Hausarztmedizin“ einführen. Es steht allen Studierenden offen und ermöglicht Zugänge zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Studium. Jeder, der im Verlauf des Studiums merkt, dass er Allgemeinmediziner werden will, soll sich einfach und hürdenarm auf diesen Schwerpunkt wechseln können („Landarzt-Track“). Der Fokus auf die ländliche Hausarztmedizin soll dazu motivieren, sich nach dem Studium im ländlichen Raum niederzulassen.

2.         Fünf „Regionen für ärztliche Ausbildung“

Um die akademische Ausbildung besser mit den konkreten Anforderungen aus der Versorgungspraxis abzustimmen, werden neue Strukturen der regionalen Vernetzung etabliert: Die medizinischen Fakultäten richten fünf „Regionen für ärztliche Ausbildung“ ein.

3.         Mehr Praxis im Medizinstudium

Die Vernetzung mit den akademischen Lehrkrankenhäusern und Lehrpraxen wird weiter gestärkt. Lehrkrankenhäuser im ländlichen Raum sollen zusätzliche Aufgaben in der medizinischen Aus-, Fort- und Weiterbildung übernehmen. Eine Arbeitsgruppe unter Federführung des MWK wird ein Konzept für die Etablierung von „Regionen für ärztliche Ausbildung“ sowie die verstärkte Einbindung besonders leistungsfähiger Kooperationspartner vorlegen.

4.         Neue Auswahlverfahren

Durch erweiterte Verfahren zur Auswahl der Studierenden werden die Universitäten künftig Talente identifizieren mit besonderen Potentialen im sozialen und kommunikativen Bereich, die in den bisherigen Verfahren weniger sichtbar waren. Die Medizinischen Fakultäten nutzen die neuen gesetzlichen Vorgaben zur Studierendenauswahl mit Blick auf die verstärkte Profilbildung Allgemeinmedizin / regionale Versorgung und stimmen Auswahl und Profilangebote aufeinander ab. 

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