Wissenschaftsministerin Theresia Bauer an der Hochschule in Sigmaringen

Wissenschaftsministerin sieht Hochschule bei Digitalisierung weit vorne

Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer (Grüne) hat auf Einladung der Landtagsabgeordneten Andrea Bogner-Unden vergangene Woche die Hochschule Albstadt-Sigmaringen besucht. Nachdem sie zunächst die Baustelle des geplanten Innocamp auf dem Sigmaringer Konversionsgelände besichtigt hatte, informierte sie sich in einer Posterausstellung am Campus Sigmaringen bei zahlreichen Professoren, Mitarbeitern und Studierenden aller Fakultäten über aktuelle Lehrprojekte. Der Schwerpunkt lag darauf, wie die Hochschule Digitalisierung erfolgreich in die Lehre integriert. Im Anschluss nahm die Ministerin an einer Podiumsdiskussion zu diesem Thema teil.

„Digitalisierung im Bildungswesen ist ein großes Thema sowohl für Schulen als auch für Hochschulen“, sagte Andrea Bogner-Unden. Die Hochschule Albstadt-Sigmaringen setzt digitale Methoden und Lernformate dabei längst nicht nur in der Lehre vor Ort ein, sondern seit 2010 auch in ihren Weiterbildungsstudiengängen und -programmen. Darin verfolgt sie ein sogenanntes „Blended Learning“-Konzept mit Online-Vorlesungen, Selbstlernphasen sowie zwei bis drei Präsenzwochenenden pro Semester. „Dabei ist die Einführung von digitalen Lehrformen selbstverständlich kein Selbstzweck“, sagte Rektorin Dr. Ingeborg Mühldorfer bei ihrer Einführung. „Eine begleitende Forschung muss immer auf den Prüfstand stellen, wo und für welchen Zweck ihr Einsatz sinnbringend und qualitätssteigernd ist.“

Nachdem sich Ministerin Theresia Bauer über die konkreten Projekte der Hochschule (beispielsweise Virtuelles Klassenzimmer, Vorlesungsaufzeichnungen, Online-Testate, Lernvideos und etliches mehr) informiert hatte, war sie voll des Lobes für deren Engagement. „Der Spirit, den ich hier erlebe, ist wirklich klasse – geradezu ansteckend“, sagte sie. „Sie schaffen hier wahrlich Zukunft.“ Die Veränderungsprozesse seien so massiv, „dass wir dringend junge Menschen benötigen, die in unseren Unternehmen mitarbeiten oder selber gründen, um den dramatischen Wandel mit Kreativität und Zuversicht anzugehen“. Sie wolle, dass „grüne und cleane Lösungen von Baden-Württemberg ausgehen und wir Herr der Dinge bleiben“.

Den unbedingten Willen zur eigenen verantwortungsvollen Gestaltung der nicht mehr aufzuhaltenden Entwicklungen bekräftigte Theresia Bauer auch in der anschließenden Podiumsdiskussion, die von Prof. Dr. Stefan Ruf von der Fakultät Business Science and Management moderiert wurde. Außerdem auf dem Podium waren Prof. Dr. Clemens Möller (Prorektor Lehre), Prof. Dr. Tobias Häberlein (Prorektor Weiterbildung), Prof. Dr. Carola Pickhardt (Fakultät Life Sciences), die Studierende Alina Kleiner, der Data-Science-Absolvent Simon Geisler, der Lehrer Armin Dreher (Liebfrauenschule Sigmaringen) sowie der Zwölftklässler Timon Gauges vom Sigmaringer Hohenzollerngymnasium.

„Digitale Lehre erweitert heute nicht nur die Möglichkeiten, zeitlich und räumlich viel flexibler zu lernen“, sagte Tobias Häberlein. „Sie erweitert außerdem das didaktische Portfolio.“ Clemens Möller bezeichnete die Digitalisierung in der Lehre als „großartige Chance, um Menschen an Bildung heranzuführen, die vorher vielleicht keinen oder einen anderen Zugang dazu hatten“, wie er sagte.

„Ich hatte in Data Science Kommilitonen aus Berlin ebenso wie aus der Schweiz“, sagte Simon Gauges, der an der Hochschule den berufsbegleitenden Masterstudiengang studiert hat. „Das ginge ohne Digitalisierung alles gar nicht.“ Alina Kleiner studiert zwar vor Ort in Sigmaringen Lebensmittel, Ernährung, Hygiene. Doch auch sie nutzt und schätzt die modernen digitalen Angebote und Formate: „Ich kann immer und überall auf die Materialien zugreifen und schwierige Stoffe spezifisch nacharbeiten“, sagte sie. „Lernen ist nicht mehr von der Tagesform abhängig, wenn ich es zur für mich besten Zeit und in meinem persönlichen Tempo tun kann.“ Carola Pickhardt erläuterte in diesem Zusammenhang, wie die Hochschule ihren Studierenden die immer wichtiger werdenden Kompetenzen zum Selbstlernen vermittelt.

Alle Diskutierenden waren sich aber auch einig darin, dass Digitalisierung niemals die persönliche Begegnung und Debatte ersetzen kann. „Sie bietet aber andererseits genau dafür auch neue Möglichkeiten“, sagte Theresia Bauer. „Nämlich indem sie es uns ermöglicht, Zeit zu generieren, die wir vielleicht vorher nicht hatten.“ Armin Dreher plädierte dafür, die Digitalisierung „mit Herz, Hand und Verstand anzugehen“, wie er sagte. „Sie darf kein Selbstzweck sein, und ich muss immer noch einen persönlichen Ansprechpartner haben und auseinanderhalten können, was wichtig ist und was nicht.“ Dafür plädierte auch der Schüler Timon Gauges, der, obwohl der Jüngste, zu einem verantwortungsvollen Umgang mit digitalen Medien riet.

Im Lauf der Podiumsdiskussion waren aus dem Publikum auch kritische Stimmen zu hören. „Durch mangelnde soziale Interaktion und fehlende Sinnhaftigkeit könnte eine Art Benommenheit gerade junger Menschen entstehen“, sagte ein Zuhörer. Dem schloss sich Alina Kleiner an: „Das sehe ich genauso“, sagte sie. „Vor allem in der Schule ist die persönliche Anwesenheit extrem wichtig.“ Wenn Jugendliche Freunden eine Nachricht aufs Handy schickten, die direkt neben ihnen sitzen, sei das keine gute Entwicklung. „Daher befürworte ich auch ein teilweises Handyverbot an Schulen.“ Tobias Häberlein sagte, dass an erster Stelle immer der didaktische Sinn stehen müsse. „Und dem müssen sich die digitalen Methoden anpassen, nicht umgekehrt.“

Das Schlusswort hatte die Ministerin: „Die Digitalisierung schafft weder eine neue Welt noch führt sie zum Untergang“, sagte sie. „Der Auftrag aller Bildungseinrichtungen lautet daher, Menschen hervorzubringen, die dann als verantwortlich Handelnde aktiv werden, um Dinge gut zu machen.“

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